Streit

Warum Diskussionen meistens kontraproduktiv sind

Sicher warst du schon mal in einer Situation, in der du dich mit einem Bekannten über ein Thema unterhalten hast, bei dem ihr unterschiedlicher Meinungen wart. So etwas kommt natürlich häufiger mal vor und ist grundsätzlich auch nicht schlimm. Es gibt aber Situationen, wo die Meinungsverschiedenheit in lebhafte Diskussionen ausarten können.

Nehmen wir an du bist dir ganz sicher, dass dein Gesprächspartner sich bei etwas irrt und dass du im Recht bist. Solltest du ihn dann darauf aufmerksam machen, dass er falsch liegt und solltest du ihn von deiner Meinung überzeugen?
Meine Antwort ist ein ganz klares „es kommt darauf an“. Es kommt darauf an, worum es geht und wie wichtig es dir ist, dass dein Gesprächspartner einsieht, dass er im Unrecht ist. Wenn es dir wirklich viel bedeutet oder wenn du die andere Person vor größeren Schaden bewahren willst, kann sich eine gute Diskussion durchaus lohnen. In den meisten Fällen ist dies aber nicht so.

Klar gibt es auch Menschen, die nun sagen: „Es ist mir egal, ob sich die Diskussion lohnt oder nicht. Ich diskutiere gerne und ich bin gut darin.“ Denen sei aber folgendes gesagt: Vermeidet jeden Streit, der sich nicht lohnt! Und glaube mir, es lohnen sich wirklich die allerwenigsten.

Warum man nicht diskutieren sollte

Wenn du jemanden beweisen willst, dass er sich irrt, machst du dich zu allererst bei ihm nicht gerade beliebt. Wenn du es auf eine sehr direkte Weise machst, dann lässt du ihn keine Möglichkeit sein Gesicht zu wahren.

Was aber oft noch wichtiger ist, ist dass die meisten Leute gar nicht deine Meinung hören wollen. Sie wollen einfach nur etwas loswerden und ihren Standpunkt klar machen. Wie ich bereits in einem anderen Beitrag erwähnt habe, interessieren sich die Menschen nämlich am meisten für sich selbst. Selbst wenn du detailliert aufzeigst, dass der andere im Unrecht ist, wird er seine Meinung trotzdem nicht ändern. Vor allem dann nicht, wenn du es mit Daten und Fakten machst, weil du somit nur den logischen und nicht den emotionalen Teil des anderen ansprichst.

Darüber hinaus wird sich der andere unterlegen fühlen und sein Stolz ist angekratzt. Somit hast du nicht wirklich die Diskussion gewonnen, auch wenn du der Meinung bist, dass es so wäre. Vermutlich wird es dir dein Gesprächspartner noch übel nehmen.

Ein Satz, den ich mir sehr gut zu diesem Thema merken kann, ist der Folgenden aus dem Buch „Wie man Freunde gewinnt“ von Dale Carnegie:

 Ein Mann, der überzeugt wird gegen seinen Willen, bleibt seiner Meinung treu im Stillen.

Das erinnert mich immer daran, dass es sich oft einfach nicht lohnt eine Diskussion anzufangen.

Wie du diese Erkenntnis im Verkauf anwendest

Nehmen wir an, du willst jemanden ein Produkt verkaufen. Der potenzielle Kunde behauptet aber nun, dass die Konkurrenz besser sei. An dieser Stellte solltest du nicht den Fehler begehen, ihm zu erklären, warum er im Unrecht ist. Du würdest dich somit nur gegen den Kunden stellen und ihn nicht auf die eigene Seite bekommen. Viel klüger ist es, dem Kunden rechtzugeben. Wenn du sagst: „Ja die Konkurrenz ist in diesen Bereichen wirklich besser als wir“ dann gibt es keinen Grund mehr seitens des Kunden, ständig zu wiederholen, dass die Konkurrenz besser ist. Vielmehr entsteht dadurch die Möglichkeit über das eigene Produkt zu sprechen und dessen Vorzüge aufzuzeigen. Das ist es ja schließlich worum es in deinem Verkaufsgespräch gehen soll.

Schon Benjamin Franklin sagte:

Mit Widersprechen und Besserwissen kann man manchmal einen Menschen besiegen. Aber es bleibt ein leerer Sieg, denn gewinnen kann man ihn damit nie.

 

Checkliste für die Umsetzung

Um diese Erkenntnisse auch gut umsetzen zu können, will ich dir die folgenden Punkte als eine Art Checkliste zur Verfügung stellen. Diese Punkte sollen dir während einer Unterhaltung helfen, auf entsprechender Weise zu handeln.

  1. Freue dich über Meinungsverschiedenheiten.

Eine andere Meinung kann dir neue Perspektiven zeigen, in denen du die Situation vielleicht noch nicht betrachtet hast.

  1. Überlege deine erste Reaktion.

Schnell neigt man dazu, auf einen Einwand spontan mit Abneigung zu reagieren. Man verteidigt seinen Standpunkt, noch bevor man überhaupt richtig über den vorgebrachten Einwand nachgedacht hat. Nimm dir zuerst die Zeit dazu und beurteile dann!

  1. Habe deine Emotionen im Griff.

Eine hohe emotionale Intelligenz (EQ) ist insbesondere bei einer erfolgreichen Kommunikation wichtig.

  1. Lass den anderen ausreden.

Lass deinen Gesprächspartner zu Ende reden, bevor du mit deinem Argument einsteigst. Vielleicht erklärt er seinen Einwand noch.

  1. Gehe zuerst auf übereinstimmenden Punkte ein

Diese Vorgehensweise schafft eine entspannte Atmosphäre und lässt unterschiedliche Meinungen nicht so stark ins Gewicht fallen.

  1. Gib zu, wenn du dich geirrt hast

Es fällt den meisten schwer, zuzugeben, dass sie falsch lagen. Du kannst damit aber ein bisschen die Luft aus der angespannten Situation nehmen, wenn ihr verschiedener Meinung seid.

  1. Denke über die Einwände nach und sage dies auch dem anderen

Es kann immer sein, dass der anderen einen guten Einwand gebracht hat und du damit mögliche Fehler vermeiden kannst. Nutze diese Chance.

  1. Erkenne, dass sich dein Gesprächspartner für dich und die Thematik interessiert

Wenn er sich die Mühe macht, dir aktiv zuzuhören und intelligente Einwände vorbringt, dann zeigt dies dir, dass er interessiert ist, dir zu helfen. Du kannst dich für den Einwand bedanken. Wie du siehst ist das gleich eine komplett andere Sichtweise derselben Situation! Du machst aus einem vermeintlichen Gegner einen Freund.

  1. Nimm dir Zeit für wichtige Überlegungen

Wenn es bei einer Meinungsverschiedenheit darum geht, eine Entscheidung zu treffen, dann verlege diese Entscheidung in die Zukunft. Nimm dir die Zeit um wichtige Überlegungen anzustellen und das Problem rational zu analysieren. Du kannst dir Fragen stellen wie:

  • Könnte ich doch falsch liegen?
  • War meine Reaktion sinnvoll oder wurde ich bloß von meinen Emotionen getrieben?
  • Mache ich mir mit meiner Reaktion Freunde oder Feinde?
  • Welchen Preis muss ich zahlen, wenn ich mich so entscheide?
  • Worin bestehen die Vorteile aus dieser Meinungsverschiedenheit?

Selbstverständlich kannst du weiterhin jede Diskussion bestreiten und dich nach einem „Sieg“ kurzzeitig gut fühlen. Ich denke aber dass du langfristig davon weitaus mehr profitierst, wenn du deinen Gesprächspartner für dich gewinnst, indem du es vermeidest zu diskutieren. Beides auf einmal zu bekommen ist sehr sehr selten.

 

Quelle: „Wie man Freunde gewinnt von Dale Carnegie

2 Gedanken zu „Warum Diskussionen meistens kontraproduktiv sind

  1. im gegenzug gibt es auch richtige diskussionen und ich erlebe, dass leute viel eher bereit sind sich auf andere standpunkte einzulassen. und ich bin davon uberzeugt, dass das ein resultat der liberaleren zensurpolitik sind. leider kann ich dazu keine studie vorlegen.

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